
Ich bin immer wieder erstaunt, dass meine Menschen noch Wege finden, die ich noch nicht erforschen konnte. Na gut, vielleicht war ich da vor zwei Jahren doch einmal. Aber heute stiegen wir den "Felswandweg" hoch, wie sie dem sagen. Oben an dieser Felswand hat man eine wunderschöne Aussicht und bei dem nun schon seit Tagen herrlichen Wetter war das Panorama eindrücklich, obwohl der Himmel nicht mehr ganz so stahlblau war. Anschliessend ging es durch ein kleines Wäldchen und dann über Schnee und Eis einen steilen Anstieg hinauf. Dort trafen wir dann wieder auf den "Kräuterweg", den ich nun gut kenne.
Zweimal sind wir dem jungen Berner Sennenhund begegnet und das war beide Male etwas aufregend. Seine Runde war offenbar in der umgekehrten Richtung. Den auch schon angetroffenen Appenzeller Sennenhund ignorierte ich hingegen, wie das letzte Mal – er mich übrigens auch. Heute musste ein etwas spezieller Tag gewesen sein, wir haben auch viele Spaziergänger ohne Hund angetroffen, jedenfalls hatten diese alle Freude, wenn mein ganz kurzes leises Begrüssungs-Bellen von mir gab.
Bei der Rückkehr ins Haus bin ich zur Zeit immer etwas abgelenkt. Im übernächsten Nachbarhaus (einem Ferienhaus) hat es einen Hund (mein Mensch weiss nicht genau, welche Rasse, aber es muss etwas mit Pudel sein), der jedes Mal laut bellt, wenn wir uns nähern. Da muss ich dann immer länger beobachten, obwohl mich meine Menschen auffordern, nun endlich hinein zu kommen. Mit einem Leckerli lasse ich mich dann aber meistens überzeugen.
Das Wochenende ist bald vorbei und bei uns war etwas mehr Betrieb als sonst. Darum kam ich gar nicht dazu, meine Notizen zu schreiben. Der Grund: Meine Menschen hatten Besuch von zwei weiteren Leuten und das hat natürlich auch mich gefreut, wenn das Rudel etwas grösser ist und ich alle begrüssen kann. Umgekehrt wollte ich immer den Überblick haben, das niemand fehlt. Da hatte ich jeweils nicht sehr Freude, wenn jemand die Treppe in den unteren Stock ging.

Natürlich gab es für die Gäste einiges vorzubereiten und da strömten auch immer mal wieder feine Düfte aus der Küche. So musste ich jeweils nachsehen gehen, was das denn werden sollte und habe natürlich auch ein bisschen gebettelt. Aber es stellte sich heraus, dass es Sachen sind, die ich nicht wirklich sehr liebe – weiss nicht, ob ich je schon mal Rüeblitorte gegessen habe. Mir hätte doch eher etwas mit Fleisch gepasst, das hatte ich dann wohl verpasst oder sie haben das gut versteckt.
Als die Gäste eingetroffen waren, habe ich mich sehr gefreut und habe das mit Heulen auch ganz klar und deutlich gemacht. Nach einer Weile hatte ich mich dann beruhigt und wollte wieder auf meinen Ausguck auf dem Balkon.

Gestern und heute unternahmen wir dann alle zusammen je eine Wanderung und wir kamen einmal mehr auch an interessanten Orten vorbei. Diese Wasserschächte, die aber längst nicht mehr gebraucht werden, ziehen mich immer an. Vielleicht könnte da ja eine Maus oder etwas anderes drin sitzen, ich schaue jedenfalls immer gerne mal nach. Neben diesen ansprechenden Orten waren wir an Stellen, die ich nun ganz gut kenne und so konnte ich die Gäste, die hin und wieder mal meine Leine getragen haben, den Weg zeigen – sei es über Felder, über Schneefelder, an der Suone, auf dem Eselweg, über den steilen Aufstieg durch den Wald oder den steilen Abstieg über die Wiese hinunter zur Hauptstrasse. Und sie hatten auch schnell verstanden, wenn ich nach einem Leckerli verlangte – die Menschen scheinen schnell verstehen zu können.
Am späteren Nachmittag sind die Gäste dann wieder abgereist und da war ich im ersten Moment nicht sehr begeistert. Doch unterdessen ist wieder ein bisschen der Alltag eingekehrt und schon bald geht es wieder auf die Abendrunde.

Das heutige Bild passt genau zum Spaziergang heute nach dem Mittag – wir waren da etwas gemächlicher unterwegs und hatten viel Zeit, hier und dort mal abzusitzen und die Landschaft zu bewundern. Ein Husky auf dem Schnee gibt natürlich ein sehr gutes Motiv! Aber wenn es jetzt so aussieht, als wäre ich fast etwas schläfrig und nicht sehr aufmerksam – das stimmt so nicht. Gerade heute Morgen waren wir an einem Ort, da habe ich in den Bäumen sofort ein Eichhörnchen entdeckt und blickte ihm lange nach, wie es von Ast zu Ast sprang. Mein Mensch hat zuerst gar nicht begriffen, warum ich stehen geblieben war und hinauf blicke und es brauchte eine ganze Weile, bis er das kleine niedliche Tier dann auch noch gesehen hat – doch schon fast zu spät, bevor es verschwand.
Ich beobachte auf meinen Runden immer gut, auch dann, wenn sich im dürren hohen Gras oder im Laub etwas bewegt, bin ich immer sofort zur Stelle und erschnüffle, was sich dort wohl verstecken könnte. Die Maus vorgestern war aber schneller und konnte hinter dem Baumstrunk verschwinden. So hat jeder Spaziergang ein paar Überraschungen parat – manchmal auch für meine Menschen.

Heute war ich mit meinen Menschen auf neuen Pfaden unterwegs. Zuerst sind wir das erste Mal Richtung Osten durch den Wald gestartet. Nach etwa einem Kilometer ging es, noch immer im Wald, auf einem schmalen Anstieg nach oben, es war sehr steil. Und hier gab es für mich jede Menge Nasenarbeit – da hatte ich enorm viele Spuren zu erschnüffeln. In diesem Waldstück sind offenbar immer viel mehr Tiere als Menschen unterwegs. Meine Menschen mussten sich gedulden, weil ich immer wieder stehen blieb und meine Nase ins Dickicht streckte. Ja gut, sie hatten nichts dagegen, der Weg ist wirklich steil und den muss man gemächlich angehen, um nicht ausser Atem zu kommen. Trotz den vielen Spuren haben wir aber keine Tiere angetroffen.
Oben angekommen trafen wir dann wieder auf Orte, die ich unterdessen kenne. Meine Menschen hörten in der Ferne Maschinenlärm von der Deponie und so entschlossen sie sich, eine andere Route einzuschlagen. So waren wir nur kurz auf dem Eselweg und schon bald folgte ein neuer und unbekannter Abschnitt. Hinter dem Eselstall hatten meine Menschen im letzten Jahr einen einsamen Weg entdeckt, der ebenfalls fast ausschliesslich durch den Wald geht. Dem folgten wir nun. Hier lag noch sehr viel Schnee, nur unter den grossen Bäumen war es schneefrei. Mir passte das sehr, weil ich mich immer und immer wieder genüsslich wälzen und Schnee knabbern konnte. Es gab viele Richtungswechsel und da ich das erste Mal an diesem Ort war, musste ich immer mal wieder umkehren, weil meine spontane Wahl die falsche war.
Schlussendlich trafen wir dann wieder auf bekanntes Gelände und das steile Feld hinunter auf die Asphaltstrasse war unser Rückweg. Übrigens haben wir kaum jemanden angetroffen – nicht einen einzigen Vierbeiner.

Bisher haben mich meine Menschen am Morgen jeweils zum Spaziergang auffordern müssen. Heute war es anders, heute wollte ich etwas früher raus, als sonst. Die bisher eher seltene Morgenrunde, die über die Strasse hinauf und über das grosse Feld hinunter führt, war wieder voll interessanter Düfte ("Zeitung lesen" sagen die Menschen). Diese Route führt beim Rückweg durch das Häuserquartier, wo viele Hunde zu Hause sind und denen ich nun fast allen schon einmal begegnet bin. Ich vermisse immer noch den Deutschen Schäfer Shark, den wir noch nie gesehen haben. Aber dafür trafen wird der Aredale Terrier und wir begrüssten uns mit ziemlich lautem Bellen und Knurren. Die Menschen haben noch länger zusammen geschwatzt, da musste ich halt einfach warten. Etwas weiter auf dem Weg rannte der Niederlaufhund im Garten durch den Schnee und es gab eine lärmige Begrüssung am Zaun. Der Kleine konnte sich fast nicht mehr beruhigen.
Die Nachmittagsrunde war heute weniger spektakulär, was die Begegnungen betrifft. Dafür kamen wir an einen interessanten Ort vorbei mit einer tollen Aussicht auf das Dorf, auf das Tal und die Berge. Da habe ich mich lange und interessiert hingesetzt, bis wir dann diesen steilen Abhang hinunter marschiert sind. Meine Menschen gehen da etwas langsamer – wie auch, wenn es steil bergauf geht.
Ja gut, da war auch wieder einmal das Thema Leckerli. Ich verlangte immer wieder welche, aber meine Menschen waren wieder etwas strikt, das Betteln gelang nicht immer. Und wenn das Kommando "ne nei, loufe" kam, habe ich mich ohne Murren gefügt und meinen Weg fortgesetzt. Zu Hause war ich dann lange wieder auf dem Balkon. Da es im Nachbarhaus jetzt auch Menschen hat, gibt es immer viel zu verfolgen.

Wir machen heute eine kleine Pause – morgen gehts dann wieder weiter, wir werden am Nachmittag auch bestimmt einen grossen Spaziergang machen. Gute Nacht.
PS "Pause" meinte Schreibpause – war zu müde, um noch was zu schreiben.